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Affig

Auch Affen fallen mal von Bäumen.
So heisst das Buch mit Sprichwörtern aus der ganzen Welt, das ich von einer Freundin zu Weihnachten geschenkt bekommen habe.
Auch Affen fallen mal von Bäumen, so heisst es auf Seite zehn, sei eines der bekanntesten Sprichwörter Japans. Es weise darauf hin, dass jeder einmal etwas falsch verstehe oder falsch mache.
Wir können uns täglich vom Affen-Fallen überzeugen, wenn wir Zeitung lesen. Vielleicht hat da jemand jahrelang in den Bäumen herumgeturnt, schwungvoll, akrobatisch, mit unglaublicher Eleganz. Und plötzlich: Bumm. Unsanfte Landung – sehr zur Schadenfreude der LeserInnen, die vielleicht neidisch gewesen waren, weil sie selbst turnerisch nicht so viel drauf hatten.

Auch Affen fallen mal von Bäumen. Wenn wir nun aber denken, nur andere fielen von den Bäumen, täuschen wir uns natürlich. Auch wenn wir hoch in den Ästen wahrscheinlich weniger Purzelbäume wagen und vor weiten Sprüngen von Ast zu Ast zurückschrecken, so turnen wir doch auch.
Der Verstand tut so affig. Der turnt mit uns irgendwo im Geäst. Der will immer recht haben. Der möchte anderen zeigen, dass er mehr weiss und kann. Der vergleicht mit dem Nachbarn und möchte ihn ausstechen. Es ist der Verstand, der uns zum Affen macht.

DER Verstand, nicht UNSER Verstand. Es ist für alle derselbe. Er ist nicht persönlich. Deshalb können wir alle uns das Sprichwort merken   Auch Affen fallen mal von Bäumen.

Die Affen, von denen wir in der Zeitung lesen, sind gar nicht so verschieden von uns. Sie turnen in einer anderen Liga, das ist alles. Zeitungslesend können wir uns also täglich fragen: Und wo turne ich selbst gefährlich? Wo schätze ich etwas falsch ein, so dass der Fall unvermeidlich ist? Wie mache ich mich zum Affen?
Zeitungslesen verhilft zu Selbsterkenntnis.

Sonntag, 20. Januar 2019

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