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Das Ziel ist das Ziel ist das Ziel

‹Wer vom Ziel nicht weiss, kann den Weg nicht haben› beginnt ein Gedicht von Christian Morgenstern.
Vom Ziel konnte man u. a. wissen, wenn man die Tafel am Haus 8a an der Zielstrasse sah. ‹Ziel› steht für die Zielräume.
Seit einigen Tagen gibt’s jene Tafel nicht mehr, die Zielräume aber sehr wohl – an der Gaishausstrasse 8. So kann man den Weg doch haben.

Vor etwas mehr als sieben Jahren bin ich mit meiner Praxis an der Zielstrasse eingezogen. Es gibt ja die Auffassung, dass alle sieben Jahre etwas Neues ansteht. In diesem Fall ist das so. Der jetzige Umzug ist aber weniger spannend als der Einzug vor gut sieben Jahren.

Ich hatte Ende 2013 in Indien, wo ich immer wieder eine spirituelle Schule besuchte – die O&O Academy – einen Kurs mitgemacht, in welchem ich für einen Prozess befähigt wurde, der in einem besonderen Raum stattfinden musste, einem Meditationsraum, einem Heiligen Raum.
Meine Wohnung bot keinen Platz, ich musste also Raum suchen. Das war mir noch während des Kurses eine Sorge. Extra einen Raum mieten? Und wo? – Und ganz deutlich hörte ich in meinem Kopf den Satz: Mitten im Dorf. Das Sorgenpotential stieg an. Mitten im katholischen Appenzell?!
Zu Hause, auf einem Einkaufsgang ins Dorf, bemerkte ich an der Zielstrasse 8a am Fenster einen Zettel mit dem Hinweis, dass die Räume im ersten Stock zu mieten seien.
Seit Monaten habe sich niemand dafür interessiert, sagte der Vermieter… Klar, die waren für mich bestimmt.  Es war eine grosse Sache, viel zu gross für einen Meditationsraum.

Ich hatte einige Monate zuvor meine Stelle gekündigt und war frei, etwas Neues zu wagen: eine psychologische Praxis, die Zielräume, das war es.
Und nun ist die Zeit dort auch schon um. Das Ende hat sich seit Längerem abgezeichnet. So eine Zeit ist immer etwas ungemütlich; Veränderungen bringen Umtriebe, verlangen Planung – und in diesem Fall auch ein Loslassen vieler Dinge: Sofas, Sessel, Bilder, Regale, Dekosachen. Weggeben fällt mir zwar nicht schwer, aber wo die Menschen finden, die diese Dinge haben wollen!? Und wiederum ging es dann ganz leicht. Nur Weniges musste ich in die Brockenstube bringen.

Was sich zuerst als Umtriebe darstellt, kann sich dann ändern zu einem Gefühl, von sich befreien und damit offen sein für wiederum Neues. Denn nichts ist so sicher wie der Wandel, heisst doch ein berühmter Satz. Was auch noch ziemlich sicher ist: wenn man sich dem anstehenden Wandel entgegenstellt, kommt es nicht gut. Stagnation ist schmerzhaft. Ist ein Schmoren im Alten, Überholten. Wenn Wandel ansteht, soll man entrümpeln und entstauben, manchmal ganz konkret, manchmal eher im Innenleben. Altes und Überholtes frisst Energie, saugt sie einem ab, macht müde, und man ist frustriert, hässig, wütend – wenn man ehrlich ist, auf sich selbst.
Wenn Wandel ansteht, sollte man sich öffnen und nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten. Die sind irgendwo existent, sonst stünde der Wandel nicht an.

Ich weiss genau, wie sich das anfühlt und wie das geht. Es gab schon Einiges an Wandel in den letzten Jahrzehnten. Trotzdem habe ich noch einen Moment gezögert, die Kündigung für die Räume zu schreiben. Ich war immer sehr gerne im Ziel.
Und jetzt – nach getaner Arbeit – fühlt es sich sooo gut an. Die Menschen kommen zu mir nach Hause oder wir arbeiten am Zoom. Mein Arbeitszimmer habe ich ausgeräumt – ich bin ja pensioniert – und Vieles entsorgt, sodass auch der Meditationsraum noch Platz gefunden hat. Weniger ist mehr. Mehr freie Energie, mehr Freude; weniger Dinge, die herumstehen, weil sie nicht mehr gebraucht werden, weniger Wege hin und her. Alles gut.

Dienstag, 13. Juli 2021

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