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Fortschritt

Vor kurzem erschien dieses Bild in der Lokalzeitung. An einen von Pferden gezogenen Schneepflug kann ich mich nicht erinnern. Aber ein anderes Bild kam vor mein inneres Auge: die Kehrichtabfuhr, wie sie zu meinen Kinderzeiten funktionierte. Jede Woche fuhr Vater Preisig mit dem Rosswagen durchs Dorf und lud den Hausmüll auf. Mit vollem Wagen fuhr er in die Steblen hinaus und kippte die Ladung einen Hang hinunter. Von Zeit zu Zeit wurde der Haufen angezündet und dann mit Erde zugedeckt, bis die Mulde aufgefüllt war…  und andere Zeiten anbrachen, wo man den Müll bei uns nicht mehr in der Landschaft deponierte. Abfallsäcke gab es damals natürlich noch nicht. Standardausrüstung in jedem Haus war der Ochsnerkübel, ein metallener Eimer mit Klappdeckel. Meine Mutter schlug ihn mit Zeitungspapier aus, so dass sein Inhalt als Ganzes auf den Rosswagen gekippt werden konnte. Der leere Eimer wurde ausgespült oder ausgefegt und zum Trocknen an die Sonne gelegt, bevor er wieder mit Zeitung ausgekleidet wurde.

Heute ist alles ganz anders und vieles natürlich besser. Und bestimmt bequemer.

Es gibt aber auch Dinge, die – auch wenn sie auf einer Ebene Fortschritt bedeuten – wir niemals akzeptieren sollten.
Dazu gehört zum Beispiel die 5G-Technik.

In einem Beitrag von SRF vom vergangenen November (Youtube: 5G in China – wenn der Staat alles sieht) ist zu sehen, wie 5G in China zur kompletten Überwachung der BürgerInnen bereits eingesetzt wird. Schanghai ist eine Versuchsstadt, ausgerüstet mit Tausenden von Antennen und Kameras, so dass niemand der Überwachung entgeht. Das System ist mit Gesichtserkennungs-Kameras ausgestattet, das alle Menschen bildlich erfasst.
Auf dem Handy erhält jeder Bewohner Punkte für Wohlverhalten und Abzug für Vergehen wie bei Rot über die Strasse laufen…
Wer nur wenige Punkte hat, der kann zum Beispiel keinen Zug oder kein Flugzeug mehr benutzen oder eine Wohnung kaufen. Strafe muss sein.

In einem weiteren Video hat es geheissen, dass Ravensburg ebenfalls so ausgerüstet werden soll. Und das ist weissgott in unserer Nachbarschaft.

Widerstand ist nicht die Lösung. Der gibt genau dem Energie, was wir ablehnen. Wenn wir unsere innere und äussere Freiheit bewahren wollen, müssen wir sie uns im Bewusstsein schaffen. Tatsächlicher Fortschritt ist nur möglich, wenn wir im Bewusstsein wachsen und nicht steckenbleiben im Dagegensein und in der Angst. Angst zieht genau das an, wovor man Angst hat. Mit Hass funktioniert es ebenso.
Und auch mit der Liebe.

Freitag, 08. Februar 2019

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Affig

Auch Affen fallen mal von Bäumen.
So heisst das Buch mit Sprichwörtern aus der ganzen Welt, das ich von einer Freundin zu Weihnachten geschenkt bekommen habe.
Auch Affen fallen mal von Bäumen, so heisst es auf Seite zehn, sei eines der bekanntesten Sprichwörter Japans. Es weise darauf hin, dass jeder einmal etwas falsch verstehe oder falsch mache.
Wir können uns täglich vom Affen-Fallen überzeugen, wenn wir Zeitung lesen. Vielleicht hat da jemand jahrelang in den Bäumen herumgeturnt, schwungvoll, akrobatisch, mit unglaublicher Eleganz. Und plötzlich: Bumm. Unsanfte Landung – sehr zur Schadenfreude der LeserInnen, die vielleicht neidisch gewesen waren, weil sie selbst turnerisch nicht so viel drauf hatten.

Auch Affen fallen mal von Bäumen. Wenn wir nun aber denken, nur andere fielen von den Bäumen, täuschen wir uns natürlich. Auch wenn wir hoch in den Ästen wahrscheinlich weniger Purzelbäume wagen und vor weiten Sprüngen von Ast zu Ast zurückschrecken, so turnen wir doch auch.
Der Verstand tut so affig. Der turnt mit uns irgendwo im Geäst. Der will immer recht haben. Der möchte anderen zeigen, dass er mehr weiss und kann. Der vergleicht mit dem Nachbarn und möchte ihn ausstechen. Es ist der Verstand, der uns zum Affen macht.

DER Verstand, nicht UNSER Verstand. Es ist für alle derselbe. Er ist nicht persönlich. Deshalb können wir alle uns das Sprichwort merken   Auch Affen fallen mal von Bäumen.

Die Affen, von denen wir in der Zeitung lesen, sind gar nicht so verschieden von uns. Sie turnen in einer anderen Liga, das ist alles. Zeitungslesend können wir uns also täglich fragen: Und wo turne ich selbst gefährlich? Wo schätze ich etwas falsch ein, so dass der Fall unvermeidlich ist? Wie mache ich mich zum Affen?
Zeitungslesen verhilft zu Selbsterkenntnis.

Sonntag, 20. Januar 2019

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Ein Frosch, der nicht meditiert

Eine kurze Geschichte:
Da ist ein kleiner Frosch, der einen ersten Ausflug allein unternimmt. Auf dem Feld sieht er ein grosses Tier, das mit einem Ding, das es hinter sich herzieht, die Erde umgräbt. Der kleine Frosch ist fasziniert und auch überwältigt vom Anblick. Er erkundigt sich nach dem Namen dieses Wesens.
Zu Hause erzählt der kleine Frosch seinem Vater, er habe auf dem Feld einen Ochsen gesehen, riiiesengross und mächtig.
Der Vater nickt, atmet tief ein und bläst sich auf. ‚Etwa so gross, nicht wahr?‘
‚Nein, nein, viel grösser!‘
Der Vater holt noch einmal Luft und bläst sich weiter auf. ‚So gross, oder?‘ 
Nein!! Viiiel grösser!‘
Noch etwas weiter bläst sich der Vater auf   –   und platzt.

Ich habe die Geschichte aus dem Kurs, den ich an der O&O Academy in Indien besucht habe, mitgebracht. Es ging in diesem Kurs um die Natur und die Aktivitäten des Verstandes.
Der Verstand (und es für uns alle derselbe Verstand – er ist nicht persönlich) kann es nicht haben, dass er zum Beispiel nicht die Oberhand hat. Eine der Eigenschaften des Verstandes ist Arroganz und mehr oder weniger ist auch ‚unser eigener‘ Verstand davon betroffen. Auch wir blasen uns, wie der Froschvater, gerne etwas auf, um grösser oder wichtiger zu erscheinen. Wir tun das bei der Arbeit, in Beziehungen oder ganz allgemein im Alltag. Arroganz ist der Killer in Beziehungen, da in diesem Zustand kein Einfühlungsvermögen möglich ist. Wir sind total selbstzentriert. Es geht uns nur darum, gut oder besser dazustehen.
Hinter der Arroganz steht die Aktivität des Vergleichens. Niemand ist davon ausgenommen. Es kann sein, dass wir uns nicht bewusst sind, dass ‚unser‘ Verstand immer und in jeder Situation Vergleiche zieht und uns veranlasst uns aufzublasen, sobald wir sehen oder auch nur ahnen, dass wir unterlegen sind.
Wichtig: Der Verstand IST so. Wir können ihn nicht ändern. Das wäre ein fataler Irrtum. Wir können ihn nur beobachten. Das nimmt ihm seine ätzende Schärfe, und wir können uns entscheiden, ob wir uns aufblasen wollen, wenn wir uns unterlegen glauben oder ob wir’s bleiben lassen. Und je lockerer wir damit umgehen können, desto eher wird der Verstand sich beruhigen. Wenn wir ihn zwingen wollen, wird er sich wehren.
Der Verstand ist ein wichtiges Instrument in der äusseren Welt, wenn es um unser Innenleben geht, kann er grossen Schaden anrichten. Da sollten wir ihn beobachten!

Eine gute Möglichkeit zur Beobachtung bietet die Meditation.
Seit drei Jahren meditiere ich jeden zweiten Montagabend mit einer Gruppe in den Zielräumen.
Der nächste Zyklus beginnt am Montag, 7. Januar um 19. 30 Uhr.
Voraussetzungen sind keine nötig.
Kosten: sieben Abende 150.00 Franken.
Anmeldung per E-mail oder SMS
Ich freue mich darauf!

 

 

Mittwoch, 26. Dezember 2018

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